Über Canaan Fair Trade Palästina

Canaan Fair Trade, Palästina Die Fairhandels- und Vermarktungsorganisation Canaan Fair Trade schafft trotz schwierigen politischen Rahmenbedingungen auf vielfältige Art neue Zukunftsperspektiven für etwa 1‘700 benachteiligte Familien. Der Gründer von Canaan Fair Trade, Nasser Abufarha, und sein Team haben dazu ein Netzwerk qualitätsbewusster Kleinbauerngruppen zusammengeführt, deren Mitglieder über den Fairen Handel einen sicheren Lebensunterhalt erwirtschaften können.

Canaan Fair Trade überwacht und verbessert den gesamten Produktionsprozess, um eine gleichbleibend hohe Qualität der Produkte garantieren zu können und bietet vielfache Leistungen, z.B. zur Umstellung auf Bioanbau, an. Oliven, Mandeln, Couscous, Tomaten und weitere Köstlichkeiten sind traditioneller und prägender Bestandteil im Leben vieler Kleinbauern. So werden in Palästina z.B. seit über 6000 Jahren Olivenbäume kultiviert. Bis heute sind fast ausschließlich die ursprünglichen Olivensorten „Nabali“ und „Rumi“ (letztere aus der Zeit des Römischen Reiches) verbreitet. Olivenbäume stehen in der palästinensischen Kultur für Friede und Hoffnung – das beeindruckende Engagement von Canaan Fair Trade verleiht dem neue Bedeutung.

Caanan Fairtrade-Sortiment bei Schoefer Naturprodukte: Couscous, Olivenöl, Za’atar

Quelle: dwp Ravensburg

 

Produzentenportraits

Abeer Abbas

Maftoul" Produzentin und Mitglied der Frauenkooperative Faqu´a Village 
Während die 32-jährige Abeer Abbas, Mitglied in der Frauenkooperative Faqu’a Village, rote Tomaten schneidet und sie behutsam auf Matten legt, erinnert sie sich an das Leben zurück, bevor sie und ihr Ehemann Mahmoud Teil der „Palestine Fair Trade-Association“ wurden.
„Die heutigen Freundschaften zu den anderen Frauen in der Kooperative haben für mich große Bedeutung. Wir kannten uns kaum, bevor wir zusammen sonnengetrocknete Tomaten und Maftoul herstellten. Daraus entwickelten sich sehr starke Bindungen und das Leben wurde für uns alle fröhlicher.

Doch auch in schwierigen Zeiten stehen wir zusammen, so auch in 2007 als mein Sohn ins Krankenhaus kam. Ich konnte nicht arbeiten, doch meine Freundinnen hier haben mir meinen Lohn ausgezahlt - so als hätte ich die gesamten 3 Monate gearbeitet. Ich werde das nie vergessen. Damals erkannte ich, dass ich nicht nur ein Teil einer gewöhnlichen Kooperative war, sondern einer starken und engen Frauengemeinschaft. Klar, dass wir daher stetig wachsen.“

„Wir arbeiten alle zusammen und teilen den Lohn gleich auf. Niemand schaut danach wer mehr oder weniger arbeitet. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, täglich gemeinsam zu arbeiten um, unseren Familien zu helfen.” Abeer erzählt, wie das Lachen der Frauen bis zu den Hügeln ertönt, wenn sie hier im neu gemieteten Produktionshaus alle zusammen kommen.

„Die Arbeit ist anstrengend, aber es wird viel gelacht. Jede von uns hat ihre eigene Geschichte und beim Walzen des Weizens reden wir viel über unser Leben. Unser Weizen wird so durch unsere Hände und mit unseren Lebensgeschichten gemischt.“

Als Mutter der Kinder Hanan, Ahmed und Hamodeh, wünscht sich Abeer ein selbstständiges Leben zu führen, in Zufriedenheit und einer glücklichen Partnerschaft. „Wir Frauen müssen finanziell oft aushelfen, da die Männer in unserer Gesellschaft mit ihrem Einkommen oft nicht umgehen können. Leider gibt es kaum Arbeitsmöglichkeiten und keinen Zugang zu anderen Städten. Daher ist mir meine geregelte Arbeit in der Kooperative auch so wichtig.“

(Quelle: dwp eG Fairhandelsgenossenschaft)

 

 

Mustafa und Shafaq Jarar -  OLIVENÖLPRODUZENTEN AUS BURQUIN

Ein internationales Zentrum

Mustafa Jarar ist ein Produzent organischen Olivenöls aus dem Dorf Burqin bei Jenin. In seinem Dorf ist er als Abu al Balad bekannt – ein arabischer Ausspruch, der wörtlich übersetzt “Vater des Dorfes” bedeutet und einen Dorfältesten meint, der Streit schlichtet und Probleme unter den Dorfbewohnern löst. Mustafa hat damit den Platz seines Vaters eingenommen und macht seinem Namenszusatz Abu al Balad alle Ehre. Sein Rat wird von beinahe jedem in Burqin gesucht. Seitdem er mit Canaan Fair Trade zusammenarbeitet, hat sich sein Haus in ein, wie es seine Frau Shafaq nennt, internationales Zentrum verwandelt.

Besuchern aus anderen Ländern, die an organischem Öl und Fair Trade Initiativen interessiert sind, bieten Mustafa und Shafaq gerne ein Bett in ihrem Haus an. Über die letzten 4 Jahre hat die Familie Jarar Besucher aus mehr als 5 verschiedenen Ländern beherbergt. Sie sagen, dass sie das sehr glücklich macht und sie sich durch die Besuche mit der Welt verbunden fühlen. “Es überrascht uns immer wieder, wie wenig die Leute von uns wissen. Viele, die hierher kommen, denken schlecht von uns. Aber wenn sie bei uns bleiben, unser Essen teilen und bei der Olivenernte mit unserer Familie helfen, fangen sie an sich zuhause zu fühlen.”

Mustafas und Shafaqs Sohn Mahmoud ist sehr dankbar für das Geschäft mit dem Olivenöl – jedoch nicht aus Gründen des ökonomischen Fortschritts. Er ist froh, dass er die Geschichte seiner Leute der restlichen Welt erzählen kann, seit Canaan Fair Trade angefangen hat, das Öl seiner Familie zu kaufen. Er sagt: “Ich konnte mir vorher nicht vorstellen, dass sich Leute aus der ganzen Welt für uns interessieren. Ich dachte, ich könnte nicht mit ihnen in Kontakt treten, weil ich auf Palästina beschränkt bin. Aber als die Leute hierher kamen, habe ich Freundschaften aufgebaut, die mein Leben verändert haben.” Mahmoud, der gerade angefangen hat an der “American University” in Jenin zu studieren, sagt, er würde es sehr schätzen, wenn noch mehr internationale Gäste nach Palästina kommen würden, “weil wir sie nicht besuchen können. Es bedeutet uns sehr viel, dass sie unsbesuchen und mehr über unser Leben erfahren möchten.”

Mahmoud ist eines von 6 Kindern der Familie Jarar, die durch den Olivenölhandel ständig in den Genuss eines kulturellen Austausches kommt. Die Jugendlichen finden nicht nur ihren Spaß daran, die Welt bei sich Zuhause zu treffen, sondern werden dadurch auch inspiriert neue Möglichkeiten für ihr Dorf zu schaffen. Mahmoud will eine Jugendgruppe in Burqin aufbauen, die Leute zu sportlichen Aktivitäten einlädt und historische Ausflüge zur Melkite Kirche von Burqin, die als eine der ältesten Kirchen der Welt gilt, organisiert.

Mit derselben Lebenskraft, meint Mustafa, dass Canaan Fair Trade zu einem äußerst wichtigen Zeitpunkt in die Leben der niedergeschlagenen Jugend gekommen ist. Der Repräsentant der Burqin Kooperative, Mustafa, sagt, dass Jugendliche anzustellen und sie zur Arbeit in ihrem Land zu ermutigen, bedeutende soziale Auswirkungen hatte.

Auf persönlicher Ebene erklärt er, dass sein ältester Sohn keine Lust mehr hatte auf dem Feld zu arbeiten, bevor es Canaan Fair Trade gab. Dadurch wurde damals die ganze Familie entmutigt und sammelte nur noch Oliven für den Eigenbedarf, während sie den Rest der Ernte verkommen ließen. Seine Frau Shafaq sieht die sozialen Auswirkungen durch die Fair Trade Kooperative, mit den Augen einer Frau. Sie sagt: “Als Canaan Fair Trade angefangen hat Frauen zu fragen, ob sie gerne in der Maftoul-Herstellung (von Hand gerollter Couscous) arbeiten würden, zögerten sie. Einige Frauen lehnten sogar ab, weil sie Angst davor hatten, dass es sozial nicht akzeptiert wird, wenn sie arbeiten. Heute machen die Frauen gerne Maftoul und erwarten die nächste Maftoul Saison mit großer Vorfreude.”

Das Olivenöl der Familie Jarar ist eines der besten im Sortiment von Canaan Fair Trade. Aufgrund der Nähe zu der Olivenpresse von Canaan Fair Trade und der Einzigartigkeit des Landes, wird ihr Öl als das “Estate Olive Oil” in Flaschen abgefüllt und von unzähligen Menschen auf der ganzen Welt geschätzt.

Mustafa macht das sehr stolz. Er weiß jetzt, dass er Teil einer weltweiten Kultur des organischen Anbaus ist. Und, wie Shafaq es gerne ausdrückt: “Ich existiere durch mein Olivenöl und für meine Familie ist es sowohl die Quelle unseres Einkommens, als auch die Quelle unserer Hochstimmung.”

(Text: Vivien Sansour/Canaan Fair Trade)